Bamyian

Bamyian

Geografie
Afghanistan ist ein Binnenland und hat als Nachbarstaaten im Osten und SĂŒden Pakistan, im Westen den Iran und im Norden Turkmenistan, Uzbekistan, Tadschikistan und China. Der Amu-Daria bildet die natĂŒrliche Grenze zu den Staaten im Norden. Afghanistan ist ein ein 652.090 km2 großes Gebirgsland, dessen meisten Gebiete ĂŒber 600 m liegen. Afghanistan wird durch die Gebirgskette des Hindukusch und des Sefid Kuh durchzogen, die höchsten Berge im Hindukusch sind bis zu 7.500 m hoch. Der höchste Punkt des Landes ist der Gipfel des 7.485 m hohen Nowshaks im Hindukusch.

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind Kabul (4,9 Millionen Einw.), Kandahar (339.200 Einw.), Mazar-i-Sharif (239.800 Einw.), Herat (166.600 Einw.), Jalalabad (158.800 Einw.) und Kunduz (118.000 Einw.).

Klima
Afghanistan liegt in einem TrockengĂŒrtel, die klimatischen Bedingungen werden durch die OberflĂ€chenstruktur stark beeinflusst. Dadurch werden im Land starke Schwankungen der Temperaturen wĂ€hrend des Tages (bis zu +52 °C) und der Nacht (bis zu -50 °C) errreicht. Die winterlichen Westwinde bringen mĂ€ĂŸigen Regen, wĂ€hrend der Sommer ausgesprochen trocken ist. Lediglich der SĂŒdosten wird durch den Mosum mit Niederschlag versorgt. Afghanistans SĂŒden gehört klimatisch zu den wĂ€rmeren Subtropen.

Bevölkerung
Afghanistan ist ein Vielvölkerstaat mit ca. 28 Mio. Einw. (SchĂ€tzung 2002), davon 38 % Paschtunen, 25 % Tadschiken, 19 % Hazara, 6 % Usbeken, Minderheiten von Turkmenen, Baluchi und Nuristani und andere. In StĂ€dten leben 23 % und auf dem Land 77% der Bewohner, die Bevölkerungsdichte betrĂ€gt 43 Einwohner pro kmÂČ. Landessprachen sind Dari, Paschtu, Usbekisch, Turkmenisch und andere. 99% der Bevölkerung sind Muslime, davon etwa 84 % hanafitische Sunniten und 15 % imamitische Schiiten. Daneben gibt es Hindus und Sikhs. Die Paschtunen werden als BegrĂŒnder und Namensgeber Afghanistans angesehen. Den Paschtunen zugeordnet werden unter anderem mehrere NomadenstĂ€mmen, zu denen mehrheitlich die Kuchis zĂ€hlen, mit ca 5 Millionen Bewohner. Die Kuchis wurden durch den Artikel 14 der neuen Afghanischen Verfassung von 2004 besonders geschĂŒtzt. Tadschiken sind Sunniten, sie leben im ganzen Land, vor allem aber in Herat und Nordostafghanistan. Die Hazara sind Schiiten (Zwölfer-Shia) und sprechen Persich mit mongolischen Einschlag. Bis in die fĂŒnfziger Jahre lebten sie hauptsĂ€chlich in Zentralafghaistan, dem sogennannten Hazarajat. Usbeken und Turkmenen sind Sunniten und ihre Sprachen sind den Turksprachen zuzuordnen.

HISTORISCH POLITISCHER ÜBERBLICK

Afghanistan vor der StaatsgrĂŒndung
In der Antike (6. – 4. Jh. v. Chr.) ist Afghanistan Teil des persischen Reichs. Alexander der Große durchquert mit seiner Streitmacht das Gebiet des heutigen Afghanistans (330 – 326 v. Chr.). Mitte des 3. Jh. bis zum 1. Jh. v. Chr. gehört das Gebiet zum greco-baktrischen Reich.

652 dringen arabische Truppen in afghanisches Gebiet. Von 977 bis 1040 besteht das Reich der Ghaznaviden von Buchara bis in den Nordwesten Indiens unter Mahmud dem Großen mit Zentrum in Ghazni. Bis Ende des 7. Jh. dehnt der Islam sich bis nach Zentralasien aus. Bis zum 10. Jh. bleiben die sĂŒdlichen Gebiete des heutigen Afghanistans davon unberĂŒhrt. Bevor der Islam sich ausbreitete konkurrieren neben zahlreichen lokalen Naturreligionen der Buddhismus, der Zoroastrismus und der Hinduismus. Erst mit den Ghaznawiden wird Afghanistan fast vollstĂ€ndig islamisiert.

Ab 1220 brechen die Mongolen in die zentralasiatischen Gebiete ein. Mit Beginn der Schreckensherrschaft Dschingis Khans und dem spĂ€ter folgenden mongolischen Herrscher Timur (Tamerlan, 1388 – 1405) werden große Teile des Landes verwĂŒstet. Mit der Herrschaft des Sohnes von Timur, Schah Rukh (1405 – 1447), beginnt die BlĂŒtezeit der Timuriden. Schah Rukh, ein Liebhaber der schönen KĂŒnste, unterstĂŒtzt die Wissenschaft, Literatur, Kunst und Architektur. In seiner Herrschaftszeit und mit UnterstĂŒtzung seiner gebildeten Frau Gauharshad blĂŒht das Reich und die Hauptstadt Herat wieder auf.

Anfang des 16. Jh. bis Mitte des 18. Jh. bleibt Afghanistan fast 250 Jahre lang zwischen den persischen Safawiden, den Moguln in Nordindien und den usbekischen Shaibaniden in Mittelasien geteilt. Bis zum 18. Jh. finden stÀndige Auseinandersetzungen mit einem expansiven Perserreich unter Nadir Schah, der 1747 ermordet wird, statt.

1747 begrĂŒndet Ahmad Schah aus der paschtunischen Stammeskonföderation der Durrani (Abdali) das Durrani-Reich. Dies wird als der Beginn des modernen afghanischen Staates gesehen.

Afghanistan seit der StaatsgrĂŒndung
Die Zeit nach dem Tod von Ahmad Schah im Jahr 1772 ist bis zum Ende des 19. Jh. durch stĂ€ndige Auseinandersetzungen zwischen den StĂ€mmen der paschtunischen Ghilzai und Durrani (Abdali) geprĂ€gt. Das Land ist an seinen Außengrenzen einem permanenten Druck ausgesetzt, im Osten durch das persische Reich, im Norden durch die Russen und im Westen durch die Briten, die ihr Kolonialreich auf Afghanistan ausdehnen wollen.

1838 bis 1842 und 1878 bis 1879 kommt es zu den britisch-afghanischen Kriegen, die mit dem Vertrag von Gandomak enden. Afghanistan wird halbautonomes Protektorat Britisch-Indiens. 1893 besiegelt der Durrand-Vertrag die Grenze zwischen Afghanistan und Britisch-Indien, heute die Grenz zu Pakistan. Diese Demarkationslinie, die paschtunische Siedlungsgebiete voneinander trennt, sollte die Verantwortungen ĂŒber das jeweilige Gebiet festlegen, war aber nie als internationale Grenze gedacht und wird deshalb auch heute noch von afghanischer Seite immer noch nicht als offizielle Grenze anerkannt.

1919 findet unter Amanullah der dritte anglo-afghanische Krieg statt, der dieses Mal zur Anerkennung der UnabhĂ€ngigkeit Afghanistans fĂŒhrt. Nach dem Vorbild der TĂŒrkei versuchte Amanullah Afghanistan zu modernisieren. Er fĂŒhrt eine Reihe von politischen, sozialen und religiösen Reformen durch. U.a. wird ein Parlament eingefĂŒhrt, die Trennung von Religion und Staat und die Abschaffung des Schleiers fĂŒr Frauen angeordnet. Diese forcierten ReformbemĂŒhungen stoßen jedoch vor allem in religiös-konservativen Kreisen und unter den StammesfĂŒhrern auf erbitterten Widerstand. 1929 kommt es zu einem Aufstand und Amanullah dankt ab.

1933 wird sein Nachfolger, Nadir Schah ermordet und sein 19jĂ€hriger Sohn, Zahir Schah besteigt den Thron. Die RegierungsgeschĂ€fte werden von dem Onkel Zahir Schahs gefĂŒhrt, erst 1963 wird Zahir Schah in der Politik aktiv.

1953 putscht sich Mohammed Daud Khan, ein Cousin des Königs, an die Macht. Seine 10jĂ€hrige Amtszeit ist gekennzeichnet durch die Modernisierung des MilitĂ€rs, der damit verbundenen StĂ€rkung der Zentralgewalt und einer AnnĂ€herung an die Sowjetunion sowie einer VerschĂ€rfung des Paschtunistan-Konflikts, der seit der GrĂŒndung Pakistans 1947 beide LĂ€nder an den Rand eines Krieges brachte. Der Streit um Paschtunistan und der Druck der demokratischen Opposition verschlechtert die innenpolitische Situation mit der Konsequenz, dass Daud 1963 zurĂŒcktritt.

1964 unter König Zahir Schah wird Afghanistan eine konstitutionelle Monarchie. Eine neue Verfassung, die AnsÀtze eines westlichen Parlamentarismus enthÀlt, wird verabschiedet. 1965 und 1969 finden demokratische Wahlen statt, dennoch können sich keine legalen Parteien bilden, da der König das in der Verfassung vorgesehene Parteiengesetz nie unterzeichnet. So bilden sich im Untergrund Parteiorganisationen.

1973 putscht sich Daud erneut an die Macht, ruft die Republik aus und regiert autokratisch. 1978 findet die April-Revolution statt, die Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA) stĂŒrzt Mohammded Daud. Bis Ende 1979 fĂŒhren interne MachtkĂ€mpfe unter den Kommunisten zur sowjetischen Intervention in Afghanistan.

Am 27. Dezember 1979 marschieren sowjetische Truppen ein und setzen Babrak Karmal als Staats-, Regierungs- und Parteichef ein. International wird die Intervention allgemein verurteilt. 1986 löst Najibullah auf Geheiß Moskaus Babrak Karmal als Regierungschef ab. Der kalte Krieg zwischen den USA und der UdSSR zum einen, aber auch regionale Interessen von Pakistan, Iran und Saudi-Arabien beeinflussen den Verlauf des Krieges bis zum Abzug der Sowjetunion entscheidend. Es bilden sich verschiedene Widerstandsgruppen, deren VielfĂ€ltikgkeit und politischen Zielsetzungen auch ein Spiegelbild der unterschiedlich ethnisch, religiös und kulturell bedingten gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse darstellen.

1989 im Februar ziehen die sowjetischen Truppen aus Afghanistan ab. Noch drei weitere Jahre hĂ€lt sich die DVPA an der Macht. Najibullah hatte sich geschickt vom Kommunisten zum Nationalisten gewandelt. 1992 wird er von den Mujaheddin gestĂŒrzt und die islamische Republik ausgerufen. Es wird eine Übergangsregierung gebildet, die aus den im pakistanischen Exil gegrĂŒndeten sieben Peschawar-Parteien (Islamisten, Traditionalisten, Nationalisten) hervorgeht. Innerhalb dieser Gruppen des ehemaligen afghanischen Widerstands, kommt es jedoch im Anschluß immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Andauernde KĂ€mpfe legen Kabul bis 1994 in Schutt und Asche. Der Machtkampf unter den zerstrittenen Gruppen des ehemaligen Widerstands fĂŒhrt vor allem in den lĂ€ndlichen Gebieten dazu, dass diese zunehmend unter die Kontrolle einzelner Warlords und ihrer Milizen geraten. Lokale Machthaber finanzieren sich ĂŒber Wegzölle, Steuern, Waffen- und Drogenhandel. Die Situation in Afghanistan ist geprĂ€gt durch einen fortwĂ€hrenden Zustand der Unsicherheit, PlĂŒnderungen, Vergewaltigungen und anderen Gewalttaten.

Im August 1994 beginnt eine Offensive einer neuen militĂ€rischen Einheit, die Taliban, frĂŒhere Studenten, die in Pakistan in islamistischen religiösen Schulen ausgebildet worden sind. Die Taliban, eine paschtunisch dominierte Bewegung, wird zunĂ€chst von der Bevölkerung als Befreier begrĂŒĂŸt, treten jedoch bald als rigorose Verfechter radikalislamischer Traditionen auf. Eine brutale Diskriminierung von Frauen, die EinfĂŒhrung islamischer Strafen, Verbot von Alkohol, Fernsehen und Radio gehören zu ihren Islamvorstellungen, die sie mit Gewalt umsetzen. Es gelingt den Taliban innerhalb kĂŒrzester Zeit große Teile des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. 1996 nehmen sie Kabul ein. Am 10. MĂ€rz 2001 zerstören die Taliban die Buddha-Statuen von Bamyan.

Am 11. September 2001 finden terroristische AnschlĂ€ge auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington statt. Als HauptverdĂ€chtige fĂŒr die Attentate werden von den amerikanischen Behörden Osama Bin Laden und sein Netzwerk Al-Qaida ausgemacht. Seit den 80er Jahren soll Bin Laden im afghanischen Widerstand kĂ€mpfen. Die Taliban weigern sich, ihn auszuliefern. Am 7. Oktober 2001 beginnt die US-gefĂŒhrte militĂ€rische Intervention in Afghanistan. Die Nordallianz – ehemalige rivalisierende Gruppen der Mujaheddin, die, um die Taliban zu stoppen, sich zu einem ZweckbĂŒndnis formiert hatten – nimmt am 13. November 2001 Kabul ein und die Taliban werden vertrieben.

Am 27.11.2001 findet unter UN-Schirmherrschaft in Petersberg bei Bonn eine Konferenz statt, auf der die Grundlagen fĂŒr ein Friedensabkommen sowie fĂŒr eine zukĂŒnftige politische Struktur Afghanistans gelegt werden sollen. Hamid Karzai wird zunĂ€chst als InterimsprĂ€sident eingesetzt und die Interimsregierung nimmt am 22. Dezember 2001 ihre Arbeit auf. Die internationale Gemeinschaft beschließt auf einer Geberkonferenz in Tokio fĂŒr die kommenden 5 Jahre 4,5 Mrd. USD bereitzustellen, der UN-Sicherheitsrat die Aufstellung der ISAF, eine internationale Sicherungstruppe unter FĂŒhrung der NATO.

Wahllokal in Kabul

Hohe Wahlbeteiligung: Wahllokal in Kabul

Im Januar 2004 wird eine neue Verfassung verabschiedet. Afghanistan ist eine Islamische Republik mit einem PrÀsidialsystem. Am 9. Oktober 2004 findet die erste direkte Wahl eines StaatsprÀsidenten statt, aus der Hamid Karzai mit 55,4 Prozent der Stimmen als Sieger hervorgeht.

Nach mehreren Verschiebungen finden am 18. September 2005 Parlamentswahlen statt. Die WĂ€hler mussten sich zwischen fast 6000 ihnen hĂ€ufig unbekannten Kandidaten entscheiden. Nicht nur das komplizierte System, das die Wahl von Einzelkandidaten statt Parteien vorsieht, wurde von vielen Afghanen nicht verstanden; auch war vielen Menschen unklar, wofĂŒr ĂŒberhaupt ein Parlament gewĂ€hlt wird. Es besteht aus einer Volkskammer (Wolesi Jirga) mit 249 Abgeordneten, die direkt vom Volk gewĂ€hlt wurde, und dem Oberhaus (Meshrano Jirga) mit 102 Abgeordneten. Im Oberhaus sitzt je ein Vertreter aus den 34 Provinzen des Landes; ein Drittel, davon die HĂ€lfte Frauen, wurde von PrĂ€sident Hamid Karzai direkt ernannt und ein weiteres Drittel sind Vertreter der einzelnen Distrikte. Beide Kammern beschließen Gesetze und ratifizieren internationale VertrĂ€ge; darĂŒber hinaus stimmen sie ĂŒber den Haushalt ab. Gibt es keine Einigung zwischen den beiden Kammern, hat die Wolesi Jirga das letzte Wort. Die ethnische Struktur des Landes spiegelt sich in etwa in der Zusammensetzung des Unterhauses: Die Paschtunen stellen mit rund 44 Prozent die grĂ¶ĂŸte Fraktion, gefolgt von den Tadschiken mit rund 27 Prozent. Die schiitischen Hazara verfĂŒgen ĂŒber zehn Prozent der Mandate, die Usbeken ĂŒber rund acht Prozent. Der Rest setzt sich aus den kleinen Bevölkerungsgruppen zusammen. Laut Human Rights Watch (HRW) sind zwei Drittel der MandatstrĂ€ger dem Umfeld der Kriegsherren zuzurechnen. Positiv bewertet wird der hohe Anteil von Frauen, die mit 68 Sitzen mehr als ein Viertel der Mandate des Unterhauses stellen. Insgesamt ist das Parlament sehr heterogen: Unter den erzkonservativen und islamistischen KrĂ€ften gibt es Gegner und BefĂŒrworter der Politik von PrĂ€sident Karzai. Gleiches gilt fĂŒr die kleinere Gruppe der Demokraten und Linken. Der Gegensatz zwischen den sĂ€kular orientierten und den religiös-konservativen Abgeordneten und die jeweiligen Einzelinteressen der ehemaligen KriegsfĂŒrsten könnten die parlamentarische Arbeit erschweren.

Erste provisorische Ergebnisse der Parlamentswahl vom 18. September werden am 26. Oktober 2005 bekannt gegeben. StĂ€rkste ethnische Gruppierung sind – mit ĂŒber 100 von 249 Abgeordneten – die Paschtunen. AnhĂ€nger von PrĂ€sident Hamid Karzai, sogenannte „UnabhĂ€ngige“, haben mit etwa 50 Mandaten eher schlecht abgeschnitten. Im neuen Abgeordnetenhaus werden auch 68 Frauen sitzen – mehr als die fĂŒr sie reservierte Zahl von Mandaten. Unter ihnen befindet sich auch Malalai Joya, die sich vor allem wĂ€hrend der Loya Jirga, der Großen Ratsversammlung im Jahr 2004, einen Namen machte; damals bezeichnete sie öffentlich die anwesenden Mudschahidin als Kriegsverbrecher und forderte, diese vor ein Gericht zu stellen. Da es keine Parteien gibt, könnten sich die Frauen als ein starker Block herausbilden. Einige der Abgeordneten sind fĂŒr schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich, verfĂŒgten aber ĂŒber so viel Geld und Macht, dass sie ihre Wahl sichern konnten. Die Wahlkommssion bestĂ€tigt zwar VorwĂŒrfe, die StimmenauszĂ€hlung sei von Manipulationen und UnregelmĂ€ĂŸigkeiten ĂŒberschattet worden; diese seien jedoch nicht so gravierend gewesen, dass Neuwahlen notwendig wĂ€ren. Nach Angaben der Wahlkommission wurden etwa drei Prozent der Wahlurnen aus der ZĂ€hlung herausgenommen, weil es den Verdacht auf manipulierte Stimmzettel gab.

Die endgĂŒltigen Resultate der Parlaments- und Provinzwahlen werden am 12. November 2005 verkĂŒndet und bestĂ€tigen weitestgehend die Ergebnisse vom 26. Oktober. Trotz UnregelmĂ€ĂŸigkeiten wird die LegitimitĂ€t des Urnengangs nicht in Frage gestellt. Mitte Dezember soll die Wolasi Jirga, das Abgeordnetenhaus, zu ihrer ersten Sitzung zusammenkommen. Mit den Parlamentswahlen ist der Ende 2001 auf dem Petersberg bei Bonn beschlossene Demokratisierungsprozess offiziell abgeschlossen. PrĂ€sident Hamid Karzai fordert die internationale Gemeinschaft auf, Afghanistan auch weiterhin militĂ€risch und wirtschaftlich zu helfen. TĂ€gliche KĂ€mpfe und ÜberfĂ€lle im SĂŒden des Landes sowie gezielte Attacken gegen AnhĂ€nger Karzais zeugen von der immer noch prekĂ€ren Sicherheitslage.

Nach ĂŒber 30 Jahren kommt erstmals wieder am 19. Dezember 2005 ein neu gewĂ€hltes Parlament zu seiner ersten konstituierenden Sitzung zusammen. Es besteht aus einer Volkskammer (Wolesi Jirga) mit 249 Abgeordneten, die direkt vom Volk gewĂ€hlt wurde, und dem Oberhaus (Meshrano Jirga) mit 102 Abgeordneten. Im Oberhaus sitzt je ein Vertreter aus den 34 Provinzen des Landes; ein Drittel, davon die HĂ€lfte Frauen, wurde von PrĂ€sident Hamid Karzai direkt ernannt und ein weiteres Drittel sind Vertreter der einzelnen Distrikte. Beide Kammern beschließen Gesetze und ratifizieren internationale VertrĂ€ge; darĂŒber hinaus stimmen sie ĂŒber den Haushalt ab. Gibt es keine Einigung zwischen den beiden Kammern, hat die Wolesi Jirga das letzte Wort. Die ethnische Struktur des Landes spiegelt sich in etwa in der Zusammensetzung des Unterhauses: Die Paschtunen stellen mit rund 44 Prozent die grĂ¶ĂŸte Fraktion, gefolgt von den Tadschiken mit rund 27 Prozent. Die schiitischen Hazara verfĂŒgen ĂŒber zehn Prozent der Mandate, die Usbeken ĂŒber rund acht Prozent. Der Rest setzt sich aus den kleinen Bevölkerungsgruppen zusammen. Laut Human Rights Watch (HRW) sind zwei Drittel der MandatstrĂ€ger dem Umfeld der Kriegsherren zuzurechnen. Positiv bewertet wird der hohe Anteil von Frauen, die mit 68 Sitzen mehr als ein Viertel der Mandate des Unterhauses stellen. Insgesamt ist das Parlament sehr heterogen: Unter den erzkonservativen und islamistischen KrĂ€ften gibt es Gegner und BefĂŒrworter der Politik von PrĂ€sident Karzai. Gleiches gilt fĂŒr die kleinere Gruppe der Demokraten und Linken. Der Gegensatz zwischen den sĂ€kular orientierten und den religiös-konservativen Abgeordneten und die jeweiligen Einzelinteressen der ehemaligen KriegsfĂŒrsten könnten die parlamentarische Arbeit erschweren.

Yunus Qanuni, frĂŒherer Vertrauter und enger VerbĂŒndeter des ermordeten Kommandeurs Ahmed Schah Massud wird am 21. Dezember 2005 zum Vorsitzenden des Unterhauses (Wolesi Jirga) gewĂ€hlt. Der 48-jĂ€hrige Tadschike gewinnt mit einem Vorsprung von nur fĂŒnf Stimmen gegenĂŒber dem paschtunischen Kriegsherrn Abdul Rasul Sayyaf. Sprecher des Oberhauses (Meshrano Jirga) ist Sibghatullah Mujaddedi, ehemaliger InterimsprĂ€sident der Mudschahidin-Regierung von 1992.

Vertreter von mehr als 60 Staaten und zahlreiche internationale Organisationen beschließen am 1. Februar 2006 auf einer Konferenz in London ein zweites umfassendes FĂŒnf-Jahres-Rahmenprogramm fĂŒr Afghanistan. Das erste wurde 2001 in Bonn verabschiedet. Das Programm formuliert konkrete Entwicklungsziele fĂŒr die Bereiche Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit sowie wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Als weitere Aufbauhilfe fĂŒr die kommenden Jahre ist eine Summe von 10,5 Milliarden Dollar festgelegt worden. Zu den wichtigsten Geldgebern gehört hinter den USA und Japan Deutschland. Die Ziele des „Afghanistan Compact“ sind ehrgeizig. So soll unter anderem bis 2010 die afghanische Regierung ihre Armee von 33 000 auf 70 000 Mann und die Polizei auf 62 000 Mann aufstocken. 65 Prozent aller stĂ€dtischen Haushalte und 25 Prozent aller lĂ€ndlichen Haushalte sollen bis dahin mit Strom versorgt werden. Ebenfalls bis Ende 2010 soll der Anteil der Afghanen, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben, um drei Prozent pro Jahr gesenkt werden. Bis 2007 sollen alle illegal bewaffneten Gruppen aufgelöst werden. Zwischen den Geldgebern und der afghanischen Regierung bleibt strittig, ob die Gelder wie bisher an Nichtregierungsorganisationen und Privatfirmen ausgezahlt werden sollen. Diese Praxis wurde in einer vor kurzem erschienen Weltbank-Studie kritisiert. Der Co-Autor des Berichts, William Byrd, stellt darin fest, dass rund drei Viertel aller Hilfsgelder an der Regierung vorbei geleitet wurden. Diese Praxis unterminiere die AutoritĂ€t der Regierung und ihre Kompetenz, statt sie zu stĂ€rken. FĂŒr die GeberlĂ€nder stellt jedoch die Korruption nach wie vor ein Problem dar. Die grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr die StabilitĂ€t des Landes ist das DrogengeschĂ€ft. Afghanistan gilt als grĂ¶ĂŸter Opiumproduzent der Welt. FĂŒr die Bauern mĂŒssen alternative Einkommensquellen gesucht werden; noch schwieriger ist die Entmachtung der LokalfĂŒrsten, die den Drogenanbau kontrollieren. Selbst PrĂ€sident Hamid Karzai sagt in London, dass er zu Beginn seiner PrĂ€sidentschaft das Problem unterschĂ€tzt habe – es könne noch zehn bis 15 Jahre dauern, bis man es gelöst habe.

Rangin Dadfar-Spanta wird am 20. April 2006 neuer Außenminister: Dadfar-Spanta war seit Januar 2005 der außenpolitische Berater Karzais. Zuvor hatte der promovierte Politologe, der seit 1982 in Deutschland lebte, an der UniversitĂ€t in Aachen gelehrt und war u.a. bei den BĂŒndnisgrĂŒnen aktiv sowie fĂŒr das BĂŒndnis der im Exil aktiven Demokratischen Allianz fĂŒr Afghanistan. Er erhĂ€lt bei der Abstimmung im Parlament die nötige Mehrheit. 150 Abgeordnete votieren fĂŒr, 75 gegen ihn. Spanta wurde im Zuge einer Kabinettsumbildung im MĂ€rz von PrĂ€sident Hamid Karzai als neuer Chefdiplomat nominiert

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch veröffentlicht am 10. Juli 2006 ihren Bericht „Lessons in Terror – Attacks on Education in Afghanistan„. Darin ist die Rede von 204 Angriffen und Angriffsversuchen innerhalb der letzten eineinhalb Jahre auf Schulen, Lehrer und SchĂŒlerinnen. Die Folge ist, dass vor allem im SĂŒden viele Kinder nicht mehr zur Schule gehen können. Human Rights Watch macht die UnfĂ€higkeit der afghanischen Regierung sowie die internationale Gemeinschaft hierfĂŒr verantwortlich. Sie fordert eine zusammenhĂ€ngende, nationale Sicherheitspolitik, die nicht rein militĂ€risch zu definieren sei, sondern sich an den BedĂŒrfnissen der BĂŒrger orientieren mĂŒsse.

Das Parlament stimmt Mitte Juli der Schaffung einer Religionspolizei („Abteilung fĂŒr die Pflege der guten Sitten und VerhĂŒtung von Laster“) zu. Die neue Behörde soll sich in Zukunft fĂŒr die Durchsetzung religiöser Regeln im Land einsetzen. Eine Religionspolizei wurde bereits zu Mudschahidin-Zeiten eingefĂŒhrt; unter den Taliban fand eine Radikalisierung der SittenwĂ€chter statt, die von vielen Teilen der Bevölkerung gefĂŒrchtet werden; in ihrem Namen wurde sehr viel Gewalt insbesondere gegenĂŒber Frauen verĂŒbt. Es ist zu vermuten, dass PrĂ€sident Hamid Karzai, der zunehmend an Sympathie in der Bevölkerung einbĂŒĂŸt und nun fĂŒr die Schaffung einer solchen Abteilung plĂ€dierte, sich immer mehr an den erstarkenden konservativen KrĂ€ften orientiert.

Afghanistan 2007
Am 2. Februar verabschiedet das afghanische Parlament ein Amnestiegesetz, das verhindern wĂŒrde, dass ehemalige Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden könnten. Das Gesetz muss noch vom Senat gebilligt und vom PrĂ€sidenten unterzeichnet werden. Parlamentarier und Mitglieder der derzeitigen Regierung sind nach Angaben von Human Rights Watch in Kriegsverbrechen verwickelt. Uno, Politiker und Menschenrechtsorganisationen warnen vor der Verabschiedung eines solchen Gesetzes, das in keiner Weise zur nationalen Versöhnung beitragen wĂŒrde.

Im FrĂŒhjahr wird unter FĂŒhrung des ehemaligen PrĂ€sidenten von Afghanistan, Burhanuddin Rabbani (1993-2001), eine neue politische Partei „Die Nationale Einheitsfront“ gegrĂŒndet. Es ist eine breite Koalition aus frĂŒheren und gegenwĂ€rtigen Kommandeuren, Mudschahidin und Exkommunisten. Unter ihnen befinden sich auch der Enkel des Königs, Mustafa Zahir, Ex-Verteidigungsminister Mohammad Qasim Fahim, der Parlamentssprecher Yunus Qanuni, der frĂŒhere General Abdul Rashid Dostum sowie der aus der kommunistischen Zeit stammende Ex-General Sayyid Mohammed Gulabzoi. Hauptziele der Allianz sollen unter anderem die Änderung des Wahlsystems, die Terror- und DrogenbekĂ€mpfung sowie die StĂ€rkung eines einheitlichen Afghanistans sein.
Eine der bekanntesten jungen Abgeordneten des afghanischen Parlaments, Malalai Joya, wird am 22. Mai wegen beleidigender Äußerungen ĂŒber das Parlament in einem Fernsehinterview fĂŒr den Rest der Legislaturperiode suspendiert. Joya wurde bereits wĂ€hrend der verfassungsgebenden Nationalversammlung 2003 mit einer Rede bekannt, in der sie offen Kritik an den Vorsitzenden des Komitees ĂŒbte und diese als Verbrecher bezeichnete, die vor ein Gericht gehörten. Seit 2005 sitzt sie als Abgeordnete im Parlament und ließ sich auch bisher nicht von Drohungen ehemaliger Mudschahidin einschĂŒchtern. „Defend Malalai Joya!“

Zahir Shah stirbt im Alter von 92 Jahren am 23. Juli in seiner Residenz in Kabul. Er bestieg 1933 nach der Ermordung seines Vaters den Thron und herrschte danach 40 Jahre lang. Unter seiner Regentschaft erhielt Afghanistan 1964 eine Verfassung und wurde eine konstitutionelle Monarchie. Der König setzte sich fĂŒr eine Modernisierung seines Landes ein: So durften Frauen zur Schule gehen und erhielten das Wahlrecht. 1973 wurde Zahir Shah von seinem Schwager Mohammed Daud Khan durch einen MilitĂ€rputsch gestĂŒrzt, dankte ab und lebte danach im Exil in Italien. Nach dem Sturz der Taliban kehrte er Im April 2002 zurĂŒck nach Afghanistan und lebte in einer Residenz innerhalb des PrĂ€sidentenpalastes.

Circa 650 Vertreter verschiedener Paschtunen-StĂ€mme aus Afghanistan und Pakistan sind am 9. August zu einer viertĂ€gigen Loya Jirga (Große Ratsversammlung) in der Hauptstadt Kabul zusammengekommen. Hauptthema ist die instabile Lage in der gemeinsamen Grenzregion. PrĂ€sident Hamid Karzai fordert in seiner Eröffnungsrede ein gemeinsames Vorgehen gegen die Angriffe von AufstĂ€ndischen. Sein pakistanischer Amtskollege Pervez Musharraf sagte seine Teilnahme kurzfristig ab. Beobachter glauben, dass Musharraf in der Jirga nicht das sonst ĂŒbliche Instrument der Konfliktlösung sieht – die Idee der Jirga war bei einem Treffen im Weißen Haus als „eine Kopfgeburt“ der Bush-Administration entstanden.

Nach einer Studie der Unama (United Nations Assistance Mission in Afghanistan) ist die Zahl der SelbstmordanschlĂ€ge in Afghanistan zwischen 2001 und dem ersten Halbjahr 2007 dramatisch gestiegen. Die meisten Attentate werden von jungen Afghanen verĂŒbt, die in Pakistan angeworben und ausgebildet werden. Selbstmordattentate seien mittlerweile ein integraler Bestandteil der Taliban-Strategie. Die meisten AttentĂ€ter seien jung, arm, ungebildet, von ihren Ausbildern leicht zu beeinflussen und kĂ€men hĂ€ufig aus den Koranschulen Pakistans. Die Studie basiert auch auf GesprĂ€chen mit diversen AttentĂ€tern, die nach fehlgeschlagenen AnschlĂ€gen in Kabul inhaftiert wurden.

In Kabul beginnt am 31. Oktober eine Konferenz zum Kampf gegen den Drogenhandel. FachkrĂ€fte aus 55 LĂ€ndern beraten zwei Tage lang ĂŒber die Möglichkeiten der BekĂ€mpfung des Drogenhandels auf regionaler Ebene. Der ReprĂ€sentant des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) McLean weist darauf hin, dass in Afghanistan nicht nur Opium angebaut wird, sondern mittlerweile auch Heroin hergestellt wird. Nach Angaben des UNODC wurde in 2007 bisher eine Rekordernte von 8200 Tonnen Opium erreicht – 34 Prozent mehr als in 2006.

Am 15. November stimmt der deutsche Bundestag mit der Mehrheit seiner Abgeordneten fĂŒr die VerlĂ€ngerung der umstrittenen Anti-Terror-Operation „Enduring Freedom“ (OEF). GegenwĂ€rtig beteiligen sich rund 3100 deutsche Soldaten am Isaf-Mandat. Unter das Mandat fĂ€llt auch der Beschluss des Parlaments vom FrĂŒhjahr 2007, deutsche Tornado-Flugzeuge fĂŒr AufklĂ€rungs- und ÜberwachungsflĂŒge in Afghanistan zuzulassen. Kritiker wie GrĂŒne und Linke bemĂ€ngeln das fehlende Uno-Mandat. Sie sehen den Erfolg der Isaf-Schutztruppe durch eine Beteiligung an den von den USA gefĂŒhrten militĂ€rischen Operationen der OEF (Operation Enduring Freedom) als gefĂ€hrdet, da dabei hĂ€ufig Zivilisten getötet werden. Dies verschĂ€rfe den Konflikt mit den Terrorgruppen in Afghanistan.

Die afghanische Regierung will die weitgehend unkontrollierte TĂ€tigkeit privater Sicherheitsdienste in Zukunft stĂ€rker regulieren und langfristig ganz verbieten. In einer ErklĂ€rung des Kabinetts Ende November heißt es, dass der Besitz von Waffen laut Verfassung nur staatlichen Sicherheitsfirmen erlaubt sei, private Sicherheitsdienste seien daher illegal. In einem Bericht fĂŒr die Uno schĂ€tzt die Schweizer Hilfsorganisation Swisspeace die Zahl privater SicherheitskrĂ€fte in Afghanistan auf 18 500 bis 28 000 Mann. Zu diesen zĂ€hlen US-Unternehmen wie Blackwater oder Dyncorp, aber auch afghanische Anbieter. Nach Angaben von Swisspeace können viele Afghanen nicht zwischen den staatlichen und den bewaffneten KrĂ€ften der privaten Sicherheitsfirmen unterscheiden, zumal letztere durch ihr hĂ€ufig rabiates Auftreten das UnsicherheitsgefĂŒhl der Bevölkerung verstĂ€rken.

Afghanistan 2008
In Washington werden am 30. Januar drei von einander unabhĂ€ngige Studien vorgestellt, die alle zu dem Schluss kommen, dass Afghanistan als Staat und Demokratieprojekt zu scheitern droht. Die Experten der Afghan Study Group resĂŒmieren, dass die Sicherheitslage, die wirtschaftliche Entwicklung sowie das Regierungssystem deutlich verbessert werden mĂŒssen. Reformen im zivilen Bereich seien bisher trotz Investitionen hoher Summen an Entwicklungshilfegeldern fast gescheitert. Die internationale Hilfe sei zu unkoordiniert, Polizei und Justiz seien weitestgehend unfĂ€hig und korrupt. Die Experten schlagen einen Uno-Beauftragten mit weitreichenderen Vollmachten als bisher vor. Auch LĂ€nder wie Russland, China, Pakistan und Iran sollten an der Suche nach einer politischen Lösung beteiligt werden. AFGHANISTAN STUDY GROUP REPORT.

Anfang Feburar wird das Ergebnis einer Studie ĂŒber Nordostafghanistan prĂ€sentiert. Ein Forscherteam der Freien UniversitĂ€t Berlin hat in Kooperation mit dem Bundesministerium fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Evaluierung durchgefĂŒhrt. Die Studie basiert auf der Befragung von 2034 Haushalten in Nordostafghanistan. Entgegen der Meinung vieler westlicher Beobachter, dass sich die Sicherheitssituation auch im Norden deutlich verschlechtert hat, zeigt das Ergebnis der Studie, dass die Mehrheit der Befragten in lĂ€ndlichen Gebieten sich seit zwei Jahren sicherer fĂŒhlt. BegrĂŒndet wird dies sowohl mit der PrĂ€senz auslĂ€ndischer Truppen als auch durch die Arbeit der afghanischen Regierung. In der Studie werden desweiteren Fragen zur LegitimitĂ€t und Wahrnehmung von auslĂ€ndischen Hilfsorganisationen im lĂ€ndlichen Raum untersucht und wie die afghanische Bevölkerung die erzielten Resultate bewertet. Auch wenn viele Afghanen glauben, dass die PrĂ€senz von AuslĂ€ndern ihre traditionellen und islamischen Werte bedroht, möchte dennoch die Mehrheit, dass die Entwicklungshilfe weitergefĂŒhrt wird, da der Staat nach wie vor nicht dazu beitrĂ€gt, die Grundversorgung der Menschen zu gewĂ€hrleisten.



Die Provinz Kunduz und die Gemeinde Char Gul Tepa

Qalay-i-Zal Char Gul Tepa

Im Distrikt Qalay-i-Zal

Die Gemeinde Char Gul liegt in der Provinz Kunduz im Norden Afghanistans dicht an der Grenze Tadschikistans. In der Region leben vorwiegend Tadschiken, Hazara, Turkmenen und Usbeken. Neben den traditionell arbeitenden Handwerkern leben in der Provinz Kunduz hauptsĂ€chlich Bauern, die in der fruchtbaren Ebene des Kunduz-Flusses unter anderem Baumwolle, Reis, Weizen, Mais und Melonen anbauen. Die wirtschaftlichen Bedingungen sind relativ gut, die Region gilt auch als die Kornkammer Afghanistans. Durch die zerstörte Infrastruktur wird aber die Entwicklung immens gebremst. Straßenbau und Trinkwasserversorgung gehören zu den dringendsten Aufgaben.

Die Provinzhauptstadt Kunduz liegt rund 350 Kilometer nördlich von Kabul und wird von 118.000 Menschen (Stand Januar 2005) bewohnt. Sie gilt als Zentrum der vier nordöstlichen Provinzen Kunduz, Badakshan, Baghlan und Takhar, in denen schĂ€tzungsweise insgesamt 3,2 Millionen Menschen leben. Die Stadt Kunduz wird mit ElektrizitĂ€t aus Tadschikistan beliefert, in weiten Teilen der Provinz fehlt jedoch die Stromversorgung. Kunduz verfĂŒgt ĂŒber einen Flughafen, der teilweise noch zerstört ist, aber von UNO und ISAF angeflogen wird.

Der Distrikt Qalay-i-Zal setzt sich aus mehreren kleinen Gemeinden zusammen, in denen insgesamt circa 70.000 Menschen leben. Auch hier ist die Infrastruktur wie Straßen, Strom und Trinkwasserversorgung grĂ¶ĂŸtenteils nicht vorhanden. Nach Angaben des Bildungsdezernates der Provinz gibt es 280 staatlich anerkannte Schulen, aber nur 80 dieser Schulen verfĂŒgen ĂŒber ein SchulgebĂ€ude. Im Distrikt Qalay-i-Zal gibt es jetzt zwei bestehende SchulgebĂ€ude.


7 Kommentare


  1. Alberto Cugnini am 20. Oktober 2008 um 17:06

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  7. Antje am 1. Mai 2013 um 12:13

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    Wie ging es nach 2008 bis zur Einstellung der Hilfsoragnisation im Jahr 20xx (Datum fehlt leider im Artikel) weiter?

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