Marokko Fes Souk Medina Altstadt
© Omar Sayami

Der Gang hinter die Kulisse

In der Medina von Fes: Ich bin falsch abgebogen – oder richtig, je nachdem. Die Gasse riecht nach frisch gebackenem Khobz, dem marokkanischen Brot, und abgestandenem Motoröl, kein Teppichhändler weit und breit.

Ein Junge schiebt ein Fahrrad vorbei, der Lenker beladen mit Plastiktüten. Eine Frau zieht ihre Jalaba enger, wartet vor einer Tür, die genauso aussieht wie alle anderen Türen in dieser Gasse.

Die Touristen strömen zur Gerberei, zu den Keramikläden rund um die Kairaouine-Moschee, zu den Händlern mit ihren aufgefächerten Teppichen. Der andere Teil der Medina – jener, der keine Preisschilder trägt – fängt genau dort an, wo die geführten Gruppen umkehren.

In den Vierteln weit östlich von Bab Guissa oder tief im Andalusischen Viertel jenseits des Oued Bou Khareb gibt es Gassen, die auf keiner Reiseleiterkarte markiert sind.

Hier hängen Waschmaschinen-Teile neben Hammelköpfen. Ein Friseur rasiert im Stehen, direkt auf der Gasse. Daneben verkauft ein alter Mann einzelne Zigaretten aus einer aufgerissenen Schachtel. Es gibt keinen Grund stehenzubleiben.

Die Medina ist nicht nostalgisch. Sie ist nicht auf sich selbst stolz. Sie funktioniert einfach – mit dem Lärm von Handys, dem Hupen der Esel, die Gasflaschen transportieren, mit Fritierfettgeruch aus einer Küche drei Stockwerke über mir. Kinder kommen aus der Koranschule und rennen, weil Kinder immer rennen.

Irgendwo hier kauft jemand Seife. Irgendwo wird Tee gekocht. Ich laufe weiter, ohne zu wissen wohin – was, glaube ich, genau der Punkt ist. | Marokko

Lichter Lichter Blickwinkel am Vulkanfelsen

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