Ein Nationalpark im Herzen von Marokko

Rund um Khénifra wird Marokko plötzlich stiller. Das Gebirge zieht sich in weiten Wellen durch die Landschaft, dazwischen Zedernwälder, kahle Hänge und tiefe Täler, in denen das Wasser des Mittleren Atlas seinen Weg sucht. Hier wirkt die Natur nicht wie eine Kulisse, sondern wie eine ziemlich eigenwillige Hauptdarstellerin.

Khenifra Nationalpark, Nomaden Marokko

Die Menschen leben mit diesem Gelände, nicht gegen es. In den Dörfern und auf den Hochflächen bestimmen Viehzucht, Landwirtschaft und der Rhythmus der Jahreszeiten den Alltag. Berberische Traditionen sind vielerorts noch fest verankert – in der Sprache, im Handwerk und in einer Gastfreundschaft, die weniger nach Tourismusprogramm als nach Selbstverständlichkeit aussieht.

Khenifra Marokko

Die Nomaden des Mittleren Atlas leben längst nicht nur das Bild vom freien Leben mit Herden und Zelten. Viele Familien hausen unter einfachen Plastikplanen oder in notdürftig errichteten Unterkünften, oft ohne Strom, fließendes Wasser oder ausreichenden Schutz vor der Kälte der Berge. Ihr Alltag ist geprägt von Armut, Abgeschiedenheit und einem Leben, das zunehmend schwieriger wird: weniger Weideland, trockene Sommer und wirtschaftlicher Druck setzen der traditionellen Lebensweise zu. Die oft beschworene Freiheit der Nomaden hat hier eine sehr konkrete Kehrseite.

Uralte Zedern im Nationalpark

Wer durch das Khénifra-Gebirge fährt, begegnet einer Landschaft, die ihre Schönheit nicht aufdrängt. Kein spektakuläres Postkartenpanorama alle fünf Kilometer, sondern Wälder, Weiden, Felsen und plötzlich ein weiter Blick über das Land. Dazu Hirten am Straßenrand, Esel auf staubigen Wegen und Dörfer, die sich an die Hänge schmiegen.

Nach dem Wald eine neue Landschaft

Der Mittlere Atlas ist rau, grün, manchmal karg und immer ein wenig unberechenbar. Vielleicht liegt gerade darin sein Reiz: Hier ist Marokko weniger Souvenir als Lebensraum – und die Berge geben den Takt vor.

Unten Fliegende Fische

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