Die Augen einer Stadt

Menschen in der Provinzhaupstadt Kunduz: Unterwegs durch die Basare und Straßen der Stadt, Begegnungen mit traurigen und verstörten Menschen.

Seit dem Bürgerkrieg hat sich Kunduz wirtschaftlich schnell erholt, auch Dank der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, die es aber am Ende nicht geschafft hat die Herzen der Menschen zu gewinnen. Auch durch Vetternwirtschaft und Koruption haben sich viele der Menschen vom bestehenden System abgewendet und zum Teil sich den Aufständischen angeschlossen.

Obwohl die Infrastruktur aufgebaut wurde, Straßen, Abwasser und viele Bildungseinrichtungen geschaffen wurden, ist die Sicherheitlage ständig labil. Die Gefahr durch Anschläge und Selbstmordattentäter ist extrem hoch, es vergeht keine Woche ohne kleinere oder größere Vorkommnisse dieser Art. Im Gegensatz zu den anderen Metropolen, wie Kabul oder Herat, trauen sich viele Frauen nicht ohne Burka in die Basare zu gehen.

Am 28. September 2015 drangen etwa 1000 Kämpfer der Taliban in das Stadtzentrum vor und besetzten wichtige Regierungsgebäude, bis zum Abend gelang es ihnen, das gesamte Stadtgebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. Erst am 13. Oktober 2015 gelang es den Regierungstruppen mit Unterstützung der amerikanischen Armee die Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Welche Qualen die schon zuvor traumatisierten Menschen erleiden mussten, ist für uns kaum vorstellbar.

Die Region ist sehr fruchtbar und für Afghanistan ungewöhnlich grün. Das vom Kunduz-Fluss durchflossene Tal ist an drei Seiten unmittelbar und an einer Seite mittelbar von hohen Bergen umgeben, den Ausläufern des Hindukuschs. Kunduz verfügt über einen kleinen Flugplatz und ist auch deswegen ein Drehkreuz für Entwicklungszusammenarbeit und für das internationale Militär.

Bleibt zu hoffen, dass sich durch Bildung und die dadurch gewonne Offenheit, durch ernsthafte Bemühungen des afghanischen Staates ohne korrupte Beamten und Regierungsmitglieder, die afghanische Gesellschaft sich friedlich entwickeln kann, eine hoffnungsvolle Zukunft für ihre Kinder schaffen will.

Alte Steine Die Melonen der Anderen

3 Kommentare

  1. b | | Antworten

    mehrere Bilder zu einem Thema sind viel mehr als die Summe der Einzelbilder
    dazu der Text und die Karte
    gute kleine Reportage
    danke fürs Mitnehmen auf dem Weg durch die Stadt

  2. Remus | | Antworten

    Great photographic work. Excelent portraits.

    I would like to have your lack of embarrassment to portray people on the street. But unfortunately, I do not have this ability and resourcefulness.

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